Von den Anfängen des Wiener Schützenwesens im 19. Jahrhundert über die Gründung des CWP 1959 bis hin zum Bau unserer modernen Schießstätten.
Die Entwicklung des sportlichen Pistolenschießens in Wien ist eng mit dem Namen Joseph Schulhof (geboren 1824) verbunden. Schulhof konstruierte die legendäre Scheibenpistole mit Blockverschluss („System Schulhof“), die bis in die 1930er Jahre als Vorbild für Sportwaffen diente. Er bewies auch, dass die Wiege der Mehrladepistolen in der Kaiserstadt Wien lag.
Gleichzeitig begründete der legendäre Eduard Thomas-Steuernagel (1849–1917) – ein Zahnarzt und weitgereister Kunstschütze, der zuvor in den USA als Büffeljäger tätig war – den ersten Wiener Pistolenschützenclub unter dem Präsidium des Markgrafen Alfred Pallavicini.
Ein spektakuläres sportliches Großereignis fand 1885 in Danzers Orpheum statt: Die Wiener Schützen traten in einem vielbeachteten Wettschießen auf enorme Distanzen (bis zu 300 Meter) gegen den tourenden amerikanischen Kunstschützen Ira Paine an. Paine siegte knapp mit seiner Stevens-Pistole gegen die Österreicher, die mit Schulhof-Systemen schossen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich das Pistolenschießen zunehmend als eigenständige Disziplin im Österreichischen Schützenbund (gegründet 1879). Allsonntäglich trafen sich die Schützen auf der weitläufigen Kagraner Vereinsschießstätte des Wiener Schützenvereins, um auf Distanzen von 30 bis 200 Schritt mit Sportpistolen verschiedener Kaliber zu trainieren.
Ein historischer Höhepunkt war das Kaiserjubiläumsschießen 1908 in Wien, welches gleichzeitig als 12. Internationales Gewehr- und Pistolenmatch (der heutigen Weltmeisterschaft entsprechend) organisiert wurde. Österreich belegte im Mannschaftsbewerb der acht teilnehmenden Nationen den 6. Platz. Bemerkenswerterweise erhielten die Ergebnisse der Pistolenschützen in der Wiener Tagespresse damals weitaus mehr Aufmerksamkeit als die Gewehrdisziplinen.
Nach dem Ersten Weltkrieg lag das Vereinsleben brach. Erst 1926 formierte sich der Österreichische Schützenbund neu. Aus Kostengründen wurde in der Zwischenkriegszeit jedoch vorwiegend mit preiswerten Luft- und Kapselwaffen trainiert.
Der Zweite Weltkrieg brachte das endgültige Erliegen des Schießsports; sämtliche Sportwaffen mussten bei den Alliierten abgeliefert werden. Nach 1945 besaßen die Wiener Vereine nur ein reines "Bestandsrecht" ohne das Recht, den Schießbetrieb tatsächlich auszuüben.
Erst nach Abschluss des Staatsvertrags 1955 und dem Abzug der Besatzungstruppen begann der Wiederaufbau. Es gab erhebliche Hürden: Einerseits behördliche Skepsis, andererseits Bedenken traditioneller Schützengilden aus den Bundesländern. Dennoch bewiesen Events wie die Fernwettkämpfe der Wiener Polizei (unter Oberst Massak) gegen die Polizei Tokio in den Jahren 1958/1959 auf dem Exelberg, dass das Interesse am sportlichen Pistolenschießen in Wien ungebrochen war.
Am 15. Jänner 1959 wurde der Verein unter dem Namen „Sportschützen-Verein Wien“ offiziell gegründet. Erster Oberschützenmeister war der Augenarzt Dr. Helmut Watzl. Schon 1961 änderte sich der Name in das prägnantere „Club Wiener Pistolenschützen“ (CWP).
Unter der sportlichen Führung von Oberschützenmeister Ing. Hermann Klerings, der als Trainer das Nationalteam aufbaute und als Bundessportleiter fungierte, etablierte sich der CWP rasch als Elite-Verein.
Der herausragendste Schütze des CWP war und ist Karl Burger, der unglaubliche 25 Staatsmeistertitel gewann und bei Europameisterschaften 1969 in Pilsen den 4. Platz belegte. Die CWP-Mannschaft dominierte den Wiener Cup und stellte zeitweise mehr als die Hälfte aller Wiener Landesrekorde.
Das Training mit der Luftpistole fand ab 1965 in der Lindauergasse (Ottakring) statt. In Kooperation mit der „Union Katholische Jugend“ (UKJ) bauten die Mitglieder den Stand in Eigenleistung aus. Im Gegenzug hieß der Verein zeitweise „CWP-UKJ“, blieb jedoch stets unpolitisch und überkonfessionell.
| Zeitraum | Oberschützenmeister |
|---|---|
| 1959 – 1960er | Dr. Helmut Watzl |
| 1960er – 1984 | Ing. Hermann Klerings |
| 1984 – 1989 | Ing. Karl Leitner |
| 1989 – 1995 | Ing. Herbert Brunnhuber |
| 1995 – 2013 | Herbert Ristl |
| Seit 2013 | Michael Seidlhofer |
Nach der Schließung des Standes in Mauerbach (1975) stand der CWP vor einer Herausforderung. Doch 1977 begann das ambitionierteste Projekt der Clubgeschichte: In enger Kooperation mit dem Sportklub Handelsministerium (SKH) und unter massivem finanziellen und körperlichen Einsatz der CWP-Mitglieder wurde die olympiareife Feuerschießstätte in Süßenbrunn errichtet.
Der Schießbetrieb startete dort 1978 mit hochmodernen 25- und 50-Meter-Ständen. Gleichzeitig sicherte die Partnerschaft mit dem SKH dem CWP einen festen Standplatz für das Luftpistolentraining im Wiener Stadtzentrum (heute im Sportzentrum Cumberlandstraße).
Neben dem sportlichen Training nach ISSF/UIT-Regeln ist der CWP bis heute für seine innovativen Traditions- und Einladungsturniere bekannt: Das 1974 „erfundene“ Taschenwaffenschießen, das K&K-Schießen auf historische Scheiben, das Westernschießen sowie das eisige Neujahrsschießen.
Dank der über 65-jährigen Geschichte steht der Club Wiener Pistolenschützen heute für ein lebendiges Stück österreichischer Sporttradition, getragen von Kameradschaft und der Leidenschaft für das Präzisionsschießen.